Ein paar ältere Herren, die im sonnigen
Südfrankreich auf einem staubigen Kirchplatz im wahrsten Sinne des
Wortes eine ruhige Kugel schieben: Das ist das Bild, das vielen Leuten
zuerst einfällt, wenn sie an Boule denken.

Dabei ist das Spiel weit über die Grenzen Frankreichs hinaus verbreitet
und schon lange nicht mehr bloß Freizeitsport. Allein in Deutschland
gibt es mittlerweile mehrere hundert Klubs mit über 10.000 Mitgliedern,
die auch Spieler zu den Europa- und Weltmeisterschaften schicken. Doch
wo liegen die Wurzeln des geselligen Freizeitvertreibs und wie spielt
man es richtig? Wir haben ein wenig recherchiert ...
Pétanque, Boccia oder Boule?
Boule heißt auf deutsch schlicht "Kugel" und ist der
Oberbegriff für verschiedene Kugelspiele, die sich im Laufe der Zeit
vor allem in Frankreich entwickelt haben. Die bekannteste Variante
dieser "Jeux de Boules" ist Pétanque, das auch in Deutschland
gespielt wird.
Kugeln schieben statt Bogenschießen
Boule-Spiele haben ihren Ursprung bereits im Mittelalter. Im Frankreich
des 14. Jahrhunderts war Boule so beliebt, dass Karl V. das Spiel 1369
sogar verbot. Grund: Er hatte Angst um die Staatssicherheit, da seine
Soldaten das Bogenschießen schmählich vernachlässigten und
stattdessen die Kunst verfeinerten, Holzkugeln so nah wie möglich an
ein bestimmtes Ziel zu platzieren.
Doch die Franzosen ließen sich ihr Spiel nicht nehmen. Im 19.
Jahrhundert stieg die Popularität sogar noch an, besonders in
Frankreich und Italien. In dieser Zeit entwickelten sich die heute
bekanntesten Varianten von Boule: das "Boule Lyonnaise", das
"Jeu Provençal", "Boccia" und
"Pétanque".
So wird's gespielt!
Die Spielidee ist bei allen Versionen die gleiche: Die Teilnehmer
versuchen, eine oder mehrere Kugeln näher an eine Zielkugel, dem so
genannten "Schweinchen", zu platzieren als die Gegner.
Unterschiedlich sind die Spielregeln, das Gewicht der Kugeln und die
Abmessung des Spielfeldes.
Bei nationalen und internationalen Pétanque-Wettbewerben etwa sind die
Vorgaben - was Größe und Gewicht der Kugeln angeht - besonders streng:
Eine Turnierkugel darf 650 bis 800 Gramm wiegen. In Deutschland wacht
darüber der "Deutsche Pétanque Verband" (DPV), der Anfang
der 80er-Jahre ins Leben gerufen wurde, als das Kugelspiel hier immer
mehr Anhänger fand.
Der Ablauf - streng genommen
Unter Hobby-Boulistes ist Pétanque am beliebtesten, besonders deshalb,
weil man das Jüngste der Boule-Spiele fast überall spielen kann, wo
genug Platz ist - im Stadtpark zum Beispiel. Das Spielfeld sollte etwa
drei bis vier Meter breit und um die zwölf Meter lang sein. In der
Regel treten zwei Mannschaften á drei Spieler gegeneinander an, die je
zwei Kugeln haben.
Zu Beginn wird ein Kreis auf den Boden gezeichnet, in dem die Spieler
beim Abwurf mit geschlossenen Füßen stehen müssen. Von dieser
Position leitet sich auch der Name des Spiels ab. Denn
"geschlossene Füße" heißt im Französischen "pieds
tanqués", auf provenzalisch "ped tanco". Aus dem Kreis
heraus wirft eine Mannschaft das Schweinchen. Der Wurf ist gültig, wenn
die Zielkugel in sechs bis zehn Metern Entfernung liegen bleibt.
Jetzt versuchen beide Mannschaften, möglichst nah mit ihren Kugeln an
das Schweinchen heranzukommen. Immer der, dessen Kugel am weitesten
entfernt liegt, muss eine Kugel spielen. Am Ende gibt jede Kugel, die
näher am Schweinchen ist als die nächste Kugel des Gegners, einen
Punkt.
Das Spiel ist zu Ende, wenn eine Mannschaft 13 Punkte erreicht hat.
Infos für Anfänger
Um selbst zum Bouliste zu werden, reichen für den Anfang einfache
Freizeitkugeln. Einen Satz mit sechs Kugeln bekommt man ab etwa 45 Euro.
Wettkampfkugeln kosten dagegen in der Regel bis zu 150 Euro.
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